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Die sogenannte ‚Friedliche Revolution‘ ist der positive Gründungsmythos der Berliner Republik. In der kollektiven Erinnerung der BRD erscheint der Herbst 1989 als Ergebnis einer sich bahnbrechenden Utopie von Freiheit und Demokratie, die in den Montagsdemonstrationen und „Wir sind das Volk“ -Rufen ihren Ausdruck gefunden hat.

Tatsächlich war diese Zeit des Umbruchs davon geprägt, sich gegen das realsozialistische Regime zu wehren, das in die Krise geraten war. Es war eine Zeit, die das Potential großer Veränderung mit sich brachte und sowohl Veränderungsängste als auch -wünsche beflügelte.

In der Meistererzählung zur ‚Friedlichen Revolution‘ fehlen jedoch Aspekte, die nun als Wiederkehr des Verdrängten auf den Plan treten. Anders wäre es wohl kaum denkbar, dass dieser Abschnitt der Geschichte nun als Farce in der Gestalt von AfD-FunktionärInnen auftritt, die eine „Wende 2.0“ fordern.

Gemeinsam wollen wir in der Veranstaltungsreihe ‚Vergessene Aspekte‘ verschiedenen Themenkomplexen nachgehen und unsichtbar gemachten Stimmen Raum geben.

1. Erinnerung an 1989 – Die deutsche Erinnerungskultur und ihre Leerstellen

Vortrag und Diskussion

Wo: Peter-Weiss-Haus im Kartenraum

Referent: Hendrik Mayer

Freitag, 24.01.2020 // 19.00 Uhr

Der Vortrag bietet einen Überblick über die kollektiven Erzählungen zum Herbst 1989. Es wird erklärt, wie bzw. warum diese entstanden sind und immer wieder aufgegriffen werden. Anschließend werden die vergessenen Aspekte der Erzählungen benannt und Konsequenzen dieses Vergessens aufgezeigt.

2. Von der Einheit zum Pogrom 1992 – Asylrecht und nationale Identität nach 1990

Vortrag und Diskussion

Wo: Peter-Weiss-Haus Kartenraum

Referent: Dr. Patrice Poutrus

Donnerstag, 30.01.2020 // 18.00 Uhr (pünktlicher Beginn!)

Im August 1992 kam es in Rostock zu den bis dahin massivsten rassistischen Ausschreitungen der deutschen Nachkriegsgeschichte. Kurze Zeit später wurde das Asylrecht drastisch verschärft. In welcher Beziehung stehen diese Ereignisse zur kollektiven nationalen Identitätsbildung im wiedervereinigten Deutschland?

3. Duvarlar Mauern Walls – Migrantische Perspektiven auf den Mauerfall

(Dokumentarfilm /USA 2000 / 83 min / OV mit deutschen Untertiteln)

Dokumentation und Gespräch mit dem Regisseur

Wo: LiWu Frieda 23

Regisseur: Can Candan

Donnerstag, 13.02.2020 19.00 Uhr

In der großen Erzählung zur ‚Friedlichen Revolution‘ fehlen oftmals die Stimmen derjenigen, die besonders schnell und hart die Konsequenzen des nationalen Hochgefühls zu spüren bekamen. 1991 spricht der Dokumentarfilmer Can Candan mit Mitgliedern der türkischen Community in Berlin über ihre Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sowie die Folgen von Maueröffnung und Wiedervereinigung.

Ausschlussklausel

Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsradikalen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsradikalen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.