Etwas über die Hälfte der Bevölkerung Boliviens sind Indigene, doch werden ihre Kulturen nicht im gleichen Maße auf der Straße sichtbar. Seit der Kolonisierung durch Spanien kämpfen Indigene um ihren Platz in der Gesellschaft. Das wohl prominenteste Beispiel hierfür sind die Frauen, die sich „Cholitas“ nennen.
Sie tragen breite, farbenfrohe Pollera-Röcke mit mehreren Unterröcken (enaguas), werfen sich einen Schal (lliklla) oder Tuch (aguayo) um den Hals und lassen zwei geflochtene Zöpfe unter einem Melonenhut (bombín) hervorgucken. Die Pollera, das Herzstück dieses Kleidungsstils, wurde einst von der spanischen Besatzung eingeführt und verbreitete sich unter Indigenen als Folge von Zwang oder freiwilliger Anpassung. Sie begannen zunehmend, sich die Polleras anzueignen, weiterzuentwickeln und zu ergänzen, bis diesen die europäische Herkunft kaum mehr anzusehen war. Die sogenannten „Cholitas“ waren bis zur Bolivianischen Revolution 1952 von großen Teilen des öffentlichen Lebens ausgeschlossen, blieben aber auch infolge derselben Bürgerinnen zweiter Klasse. Zwar hat sich ihre Lage seit dem Wahlsieg des ersten Indigenen Präsidenten Evo Morales 2005 signifikant verbessert, der Kampf um Teilhabe hält aber weiter an.
Im Laufe der Jahrhunderte avancierten Polleras und Bombíns von einem Instrument der Unterordnung zu einem Symbol des Stolzes und der Selbstbestimmung. In diesem Sinne hat sich 2019 die Initiative ImillaSkate in Cochabamba gegründet. Sie besteht aus jungen Frauen, die ihre westliche Alltagskleidung gegen Cholita-Outfits eintauschen, bevor sie auf dem Skateboard durch die Straßen rollen. Es ist eine Indigene Rückeroberung des öffentlichen Raumes, zugleich eine Kampfansage an traditionelle Rollenbilder, die noch immer an dieser Tracht haften.
Wir freuen uns, mit ImillaSkate für unsere diesjährige Ausstellung kooperieren zu können. Im Flur, der an das Foyer angrenzt, sowie im FRIEDA-Studio erhalten Besuchende visuelle und inhaltliche Einblicke in die Arbeit der Initiative. Die Vernissage der Ausstellung eröffnet das Filmfestival am Donnerstag um 18 Uhr im FRIEDA-Studio. Zu dieser Vernissage sind Beteiligte der Initiative zum Gespräch geladen, um ihre Arbeit umfassender vorzustellen.
Die Ausstellung kann während des gesamten Festivalzeitraums besucht werden.

