In ELEPHANTS & SQUIRRELS begibt sich der Schweizer Filmemacher Gregor Brändli gemeinsam mit der sri-lankischen Künstlerin Deneth Piumakshi Veda Arachchige auf eine Reise zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen der Schweiz und Sri Lanka. Ausgangspunkt ihrer Recherchen sind Kulturobjekte und menschliche Überreste der Indigenen Gemeinschaft der Wanniyala-Aetto, die sich heute in Schweizer Sammlungen befinden.
Die Spur führt zurück zu den Schweizer Naturforschern Paul und Fritz Sarasin. Ende des 19. Jahrhunderts reisten die beiden Cousins nach Ceylon, dem heutigen Sri Lanka. Sie sammelten ethnografische Objekte, wissenschaftliches Material und menschliche Überreste, die sie in die Schweiz brachten. Was damals als Forschung und Sammlung verstanden wurde, wirft heute grundlegende Fragen auf: Wem gehören diese Dinge? Wer darf über sie verfügen? Was bedeutet es außerdem, wenn menschliche Überreste weit entfernt von ihrem Herkunftsort aufbewahrt werden?
Deneth Piumakshi Veda Arachchige folgt den Spuren der Sarasins und ihrer Sammlung. Gemeinsam mit Vertreter*innen der Wanniyala-Aetto sucht sie nach Menschen, Geschichten und Erinnerungen, die hinter den Objekten stehen. Ihre Recherchen führen sie in Schweizer Archive und Museen, aber auch nach Sri Lanka. Dabei treffen unterschiedliche Formen von Wissen aufeinander: wissenschaftliche Dokumentation und mündlich überlieferte Erinnerung, Archiv und gelebte Geschichte.
Im Zentrum steht die Frage nach Rückgabe und Verantwortung. Was geschieht, wenn eine Institution ein Objekt als Teil ihrer Sammlung versteht, während die Nachkommen der Menschen, von denen es stammt, darin einen Teil ihrer eigenen Geschichte erkennen? Rückgabe ist dabei nicht allein eine Frage von Besitz oder Eigentum. Sie berührt Erinnerung, Identität und die Deutungshoheit über Geschichte.
Gregor Brändli interessiert sich nicht nur dafür, was erzählt wird, sondern auch dafür, wer erzählt. Die Zusammenarbeit mit Deneth wird selbst zu einem wesentlichen Teil des Films. Durch ihre Perspektive verändert sich der Blick auf die Recherche und es wird sichtbar, dass Geschichte aus unterschiedlichen Erfahrungen und Positionen erzählt wird.
Auch die Bildsprache folgt diesem Prinzip des Perspektivwechsels. Der Titel ELEPHANTS & SQUIRRELS verweist auf die spielerische und assoziative Form des Films, die unter anderem von den Arbeiten des niederländischen Künstlers M. C. Escher inspiriert ist. Perspektiven verschieben sich, Bilder wiederholen sich und scheinbar weit voneinander entfernte Dinge treten miteinander in Verbindung. So kann ein Gegenstand zugleich wissenschaftliches Dokument, Museumsstück und Teil einer lebendigen Erinnerung sein.
So entsteht ein Film über koloniale Wissensproduktion und die Folgen des Sammelns, aber auch über Begegnung, Erinnerung und die Möglichkeit, Geschichte neu zu betrachten. ELEPHANTS & SQUIRRELS fragt danach, was passiert, wenn diejenigen zu Wort kommen, deren Geschichte gesammelt, archiviert und erzählt wurde – und wenn sie dieser überlieferten Geschichte ihre eigene Erzählung entgegensetzen.
ELEPHANTS & SQUIRRELS ist Gregor Brändlis erster abendfüllender Dokumentarfilm. Seine Weltpremiere feierte der Film 2025 beim DOK Leipzig, wo er mit der Silbernen Taube ausgezeichnet wurde. Anschließend wurde er auf mehreren internationalen Festivals gezeigt, darunter IDFA Amsterdam, Hot Docs Toronto und Locarno.

