Die vier Kurzfilme verbinden sehr unterschiedliche filmische Formen mit Fragen nach Erinnerung, kulturellem Wissen und dessen Weitergabe. Sie erzählen von Menschen, Tieren und Objekten, die aus ihren ursprünglichen Zusammenhängen herausgelöst wurden oder deren Lebenswelten von den Nachwirkungen kolonialer Herrschaft bis in die Gegenwart hinein geprägt sind. Zugleich suchen die Filme nach Formen, mit diesen Brüchen umzugehen: durch Träume und Erzählungen, durch Erinnerungen und die Rückkehr zu kulturellen Praktiken – und indem sie danach fragen, wem das Recht zukommt, Geschichten und Objekte zu bewahren, zu erzählen und mit Bedeutung zu versehen.
TRIZAS von Luciana Decker Orozco führt nach London, in die Sammlungen des British Museum und des Victoria and Albert Museum sowie in eine private Kunstsammlung, wo bolivianische und lateinamerikanische Kunst fern ihrer ursprünglichen Kontexte aufbewahrt und ausgestellt wird.
Orozco nimmt die Objekte zum Ausgangspunkt einer Auseinandersetzung mit ihrer Geschichte und ihren Wegen nach Europa, wodurch Fragen nach Provenienz und Restitution in den Blick rücken.
Der Film untersucht, wie Museen und Sammlungen die Objekte ausstellen, einordnen und durch ihre institutionelle Rahmung mit Bedeutung versehen. Der Titel TRIZAS – „Scherben“ – verweist dabei nicht nur auf materielle Fragmente, sondern auch auf eine Überlieferung, die von Brüchen und Lücken geprägt ist. Orozcos essayistische Form greift diese Struktur auf. Sie arbeitet mit extremen Nahaufnahmen und Unschärfen und entwickelt daraus eine tastende Annäherung an die Objekte.

