in Anwesenheit der Regisseurin Jazmin Rojas Forero
Die vier Kurzfilme verbinden sehr unterschiedliche filmische Formen mit Fragen nach Erinnerung, kulturellem Wissen und dessen Weitergabe. Sie erzählen von Menschen, Tieren und Objekten, die aus ihren ursprünglichen Zusammenhängen herausgelöst wurden oder deren Lebenswelten von den Nachwirkungen kolonialer Herrschaft bis in die Gegenwart hinein geprägt sind. Zugleich suchen die Filme nach Formen, mit diesen Brüchen umzugehen: durch Träume und Erzählungen, durch Erinnerungen und die Rückkehr zu kulturellen Praktiken – und indem sie danach fragen, wem das Recht zukommt, Geschichten und Objekte zu bewahren, zu erzählen und mit Bedeutung zu versehen.
NIDO DE COCODRILO von Jazmin Rojas Forero führt von Kolumbien nach Deutschland. Im Tropenhaus des Düsseldorfer Zoos berichtet eine Frau von ihrer Begegnung mit einem Krokodilpfleger. In ihren Erinnerungen an Krokodile in Kolumbien und im Gespräch des Pflegers über seine Beziehung zu den Tieren wird ein ambivalentes Verhältnis von Nähe und Distanz sichtbar: Die Tiere stellen für Besucher*innen des Zoos faszinierende Objekte der Beobachtung dar, bleiben aber zugleich potenziell gefährlich und müssen deshalb kontrolliert und auf Abstand gehalten werden.
Diese Distanz wird im Zoo räumlich und institutionell hergestellt: durch Gehege und Sicherheitsabstände, durch Pflege und Kontrolle, aber auch durch die Art, wie die Tiere beobachtet, beschrieben und kategorisiert werden. Darin klingt die koloniale Geschichte des Zoos an, in der nicht nur Tiere gesammelt und ausgestellt, sondern auch Menschen in sogenannten Völkerschauen zu Objekten des Blicks gemacht wurden.
Der Film verschiebt diese Ordnung des Sehens: Die Krokodile werden selbst zu Blicksubjekten, wodurch die eigene Position als Betrachtende spürbar und hinterfragbar wird. Der Zoo wird zum Zwischenraum, in dem verschiedene Zeiten und Orte aufeinandertreffen.

