Die vier Kurzfilme verbinden sehr unterschiedliche filmische Formen mit Fragen nach Erinnerung, kulturellem Wissen und dessen Weitergabe. Sie erzählen von Menschen, Tieren und Objekten, die aus ihren ursprünglichen Zusammenhängen herausgelöst wurden oder deren Lebenswelten von den Nachwirkungen kolonialer Herrschaft bis in die Gegenwart hinein geprägt sind. Zugleich suchen die Filme nach Formen, mit diesen Brüchen umzugehen: durch Träume und Erzählungen, durch Erinnerungen und die Rückkehr zu kulturellen Praktiken – und indem sie danach fragen, wem das Recht zukommt, Geschichten und Objekte zu bewahren, zu erzählen und mit Bedeutung zu versehen.
In JÜLAPÜIN YONNA von Luzbeidy Monterrosa Atencio erzählt die 15-jährige Weinshi von einem Traum, in dem sie eine Botschaft ihrer Vorfahren empfängt: Die Erde müsse durch den heiligen Tanz Yonna geheilt werden. Auf der Suche nach der Bedeutung dieses Traums wendet sie sich an ihre Familie und andere Frauen aus ihrer Gemeinschaft.
Wissen wird hier über Generationen weitergegeben, bleibt dabei aber nicht unverändert: Weinshi eignet es sich an und setzt es in Beziehung zu ihrer eigenen Gegenwart. Der Film verbindet diese Weitergabe kulturellen Wissens mit der ökologischen und politischen Situation der Wayuu in der kolumbianischen Region La Guajira, deren Lebensraum unter anderem durch den Kohleabbau geprägt ist. Wie FLORESTA DO FIM DO MUNDO verbindet auch JÜLAPÜIN YONNA Traum und Gegenwart und fragt danach, welche Bedeutung überliefertes Wissen angesichts gegenwärtiger Veränderungen gewinnen kann. Die Regisseurin Luzbeidy Monterrosa Atencio ist selbst Wayuu und verbindet ihr filmisches Arbeiten mit dem Schutz von Erinnerung und Territorium.

