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Veranstaltungen im Bereich politische Bildung & Fortbildungen

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Referent*in: Kervin Saint Pere Huarcaya
Moderator*in: Dominika Hadrysiewicz

Die Anden, das große Gebirge im Westen Südamerikas, sind seit der Kolonialzeit ein Raum, in dem Vorstellungen von Vergangenheit und Zukunft eng miteinander verbunden sind. Wie Gesellschaften ihre Zukunft vorstellen, hängt auch davon ab, wie sie ihre Vergangenheit interpretieren und erinnern. Unter dem Begriff Andean Futures lassen sich Denktraditionen zusammenfassen, die, ausgehend von José Carlos Mariátegui, Vorstellungen einer zukünftigen gesellschaftlichen Ordnung mit Deutungen der Vergangenheit verbinden. Zentral ist dabei das von Alberto Flores Galindo maßgeblich ausgearbeitete Konzept der „andinen Utopie“: ein Denken, das die Vergangenheit als mythischen Bezugspunkt erinnert, die Gegenwart kritisiert und zugleich den Beginn eines neuen Zeitalters imaginiert. Ein Beispiel dafür ist der Inkarri-Mythos, in dem die Wiedervereinigung des enthaupteten Inka mit seinem Körper das Ende der bestehenden Ordnung und den Beginn eines neuen Zeitalters ankündigt.

Flores Galindos Untersuchung stützt sich auf unterschiedliche mündliche und visuelle Überlieferungen sowie auf Theater und andere kulturelle Ausdrucksformen; die Fotografie spielt darin keine systematische Rolle. Der Vortrag untersucht, was sich ergibt, wenn diese Perspektive auf die Fotografie übertragen wird. Anhand ausgewählter Szenen gemeinschaftlichen Lebens des peruanischen Fotografen Martín Chambi (1891–1973), der ab 1920 in Cusco tätig war, wird gefragt, wie sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in einem fotografischen Bild verdichten können. Die Fotografien lassen sich dabei nicht nur als dokumentarische Zeugnisse, sondern auch als Formen zukunftsgerichteter Selbstdarstellung lesen. So lässt sich Fotografie als eine ästhetische Form von Andean Futures verstehen.

Kervin Saint Pere Huarcaya ist ein peruanischer Künstler und Wissenschaftler indigener Herkunft. Geboren und aufgewachsen in Lima, zog er 2014 nach Hamburg und studierte Zeitbezogene Medien an der HFBK Hamburg sowie, als Stipendiat der Art School Alliance, Kunst und Digitale Medien an der Akademie der bildenden Künste Wien. Er lebt derzeit in Berlin. Seine künstlerische Praxis und Forschung konzentriert sich auf dekoloniale Theorien und Bildpraktiken, insbesondere auf Archivmaterialien, ethnologische Museumsräume sowie koloniale Spuren im Stadtraum. Aufbauend auf Aby Warburgs Bildwissenschaft interpretiert er dessen Konzept des Nachlebens aus dekolonialer Perspektive neu.

Der Vortrag findet in deutscher Lautsprache statt. Alle Interessierten sind herzlich willkommen. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

Achtung! Eintritt frei

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