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Veranstaltungen im Bereich politische Bildung & Fortbildungen

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Regie: Daphne Matziaraki, Peter Murimi
2024 Kenia / USA / Griechenland 94 min OmeU

„Rinder sind Leben“, sagt der Hirte und Menschenrechtsaktivist Simeon Letoole. Die Weidegründe der Tiere bestimmen die Routen der halbnomadisch lebenden Samburu, und bei jeder Geburt, Hochzeit und Beerdigung nehmen die Rinder einen zentralen rituellen Platz ein. Als der Film einsetzt, dauert die Dürre im zentralkenianischen Laikipia bereits zwölf Monate an, und immer mehr Vieh droht zu verdursten.

Dort liegt auch die Ranch von Maria Dodds. Ihre Familie ließ sich 1908 im Ostafrikanischen Protektorat nieder, das damals unter britischer Kolonialherrschaft stand. Sie lebt in vierter Generation auf dem Land, ihre Angehörigen verstehen sich als weiße Kenianer*innen.

Ein großer Teil der üppigen Weideflächen ist eingezäunt. Die Zäune markieren, wo das private Land der Ranches beginnt, und sollen die Hirt*innen von der Nutzung ausschließen. Als das Gras knapp wird, überwinden die Samburu sie und lassen ihr Vieh auf den Ranches grasen. Die Auseinandersetzung um die Ressourcen eskaliert und kostet Menschenleben. Der Wahlkampf verschärft die Lage: Ein Kandidat sucht die Unterstützung der Samburu, seine Äußerungen werden auf den Ranches als Aufruf zu weiterer Gewalt verstanden.

Der Konflikt reicht weit in die Kolonialzeit zurück. Mit den sogenannten Anglo-Maasai-Abkommen von 1904 und 1911 wurden mehr als 20.000 Menschen aus Maa-sprachigen Gemeinschaften unter Waffengewalt aus weiten Teilen Laikipias in den Süden vertrieben. Das fruchtbare Land wurde an europäische Siedler*innen verteilt. Nach der Unabhängigkeit Kenias 1963 blieben einige ihrer Nachfahren im Land. Heute kontrollieren nach Daten des kenianischen Landministeriums 48 Personen und Institutionen rund 40 Prozent der Fläche Laikipias. Auf ihrem Grund liegen auch die großen Wildtierreservate, in denen der Safari-Tourismus floriert. Internationale Geldgeber finanzieren dort Naturschutzprojekte und Rangereinheiten mit – ein Betrieb, der vor allem die Hirt*innen und ihr Vieh draußen hält.

Die Filmemacherin Daphne Matziaraki und der Filmemacher Peter Murimi begleiten über fünf Jahre hinweg die Familien auf beiden Seiten des Konflikts. Wo das Team keinen Zugang hatte, filmten die Protagonist*innen mit ihren eigenen Handys.

Beide Seiten bekommen viel Raum für ihre Sichtweisen, und so treten neben den sichtbaren auch die unsichtbaren Mauern zwischen den Gemeinschaften hervor. Zugleich rücken die Empfindungen und Beweggründe der Beteiligten näher, die alle Laikipia ihre Heimat nennen. Die Montage der beiden Lebenswelten zeigt, wie der ungleiche Zugang zu Ressourcen und die unterschiedlichen Identitätsbezüge den Blick auf dasselbe Land formen.

Gerade weil die Bewohner*innen der Ranches ausführlich zu Wort kommen, wird die Begrenztheit ihrer Selbstwahrnehmung erkennbar – und wie wirkmächtig eine koloniale Haltung zum Landbesitz fortbesteht. Auf der anderen Seite erzählen Simeon Letoole und seine Familie ihre eigene Geschichte. Sie steht den gängigen Zuschreibungen über nomadische Lebensweisen entgegen und widerspricht den überlieferten Aufzeichnungen und Bildern der Siedlerseite, in denen behauptet wird, Laikipia sei zum Zeitpunkt der Landnahme unbewohnt gewesen.

Matziaraki und Murimi arbeiteten zuvor mit Geflüchteten an der griechischen Grenze und mit der queeren Community in Kenia. Laikipia, sagt Murimi, sei ein Mikrokosmos für Fragen, die alle betreffen: Identität, Ungleichheit, koloniales Erbe und Klimakrise.

Der Kampf um Laikipia dauert an. Anfang dieses Jahres überfielen bewaffnete Gruppen im Mukogodo-Wald im Norden des Countys Siedlungen der Yaaku. Nach Angaben der East Africa Indigenous Women-Led Assembly wurden zehn Menschen getötet und fast 3.000 Tiere gestohlen. Der Mukogodo ist Kenias größtes Waldreservat und der einzige Wald des Landes, den eine Indigene Gemeinschaft selbst verwaltet. Wenige Tage später forderte das Innenministerium alle, die im Wald leben, auf, das Gebiet zu verlassen – unabhängig davon, ob sie Opfer oder Täter dieser Überfälle waren. 1932 hatte die Kolonialverwaltung die Yaaku schon einmal von dort vertrieben.

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