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Jugendbildungsreise 2026 – „people and politics on a journey“

Vom 20.10. bis 25.10. hieß es wieder „people and politics on a journey“. Mittlerweile haben die Jugendbildungsreisen schon eine lange Tradition bei SoBi. Sie werden in Zusammenarbeit der Arbeitsbereiche Jugendsozialarbeit und Politische Bildung (Politische Jugendbildung im AdB) organisiert – und sprechen vor allem Jugendliche an, die bislang wenig Zugang zu etablierten Formaten der politischen Bildung haben oder von diesen kaum erreicht werden. Viele von ihnen nehmen aber an Angeboten der Jugendsozialarbeit teil und beteiligen sich gerne an interessanten Projekten. Gemeinsam ist ihnen die Lust, in der Gruppe unterwegs zu sein, neue Orte zu entdecken und sich auf ungewohnte Erfahrungen einzulassen

Stuttgart, Leipzig, Bremen, Köln … jedes Jahr eine neue Stadt und Region mit ganz eigenen Geschichten und Perspektiven. Dieses Jahr ging es nach Dortmund. „Glück auf!“

Beim Vorbereitungstreffen war schnell klar, dass die Industriegeschichte, Fragen von Migration und Arbeit sowie die Veränderungen in der Region über die vielen Jahre eine wichtige Rolle spielen sollten. Aber auch Fußball und seine gesellschaftliche Bedeutung sowie der Besuch eines Theaters mit einem Stück, das politische Themen verhandelt, sollten nicht fehlen. Ebenso standen der Besuch eines Jugendclubs und natürlich das Probieren verschiedener kleiner kulinarischer Spezialitäten auf der Wunschliste der 16 – 24-Jährigen, die dieses Jahr teilnahmen.

So ging es am Dienstag, den 20.10., los. Nach der Ankunft gab es verschiedene Kennenlernmethoden, bevor es direkt in die Stadt zum ersten Teil unseres selbstorganisierten Stadtrundgangs ging.

Alle Teilnehmenden hatten eigene „Stationen“ vorbereitet, und so erkundeten wir gemeinsam die Stadt. Neben inhaltlichen Informationen gab es an jeden Ort, der vorgestellt wurde, auch eine kleine Aufgabe. Vom Sortieren der Dortmunder Nashörner bis hin zu Fragen der Erinnerungskultur war vieles dabei. Dabei wurde schnell deutlich, wie viele unterschiedliche Geschichten und gesellschaftliche Entwicklungen sich an den Orten einer Stadt entdecken lassen.

Am zweiten Tag wurden viele Schritte zurückgelegt, denn der zweite Teil des selbstorganisierten Stadtrundgangs stand auf dem Plan. Das Gedenken an die Opfer des NSU, das geplante Gastarbeiter*innen-Denkmal, verschiedene Kirchen, Stadtviertel und Plätze waren unsere Stationen. Dabei ging es immer wieder um Fragen von Migration, gesellschaftlicher Zugehörigkeit und Erinnerungskultur. Wer erzählt eigentlich die Geschichte einer Stadt, an wen wird erinnert und welche Perspektiven bleiben möglicherweise unsichtbar?

Abgeschlossen haben wir den Tag inhaltlich mit einer Führung durch die World Press Photo-Ausstellung. Ein wirklich bewegender Moment mit vielen spannenden Informationen, eindrucksvollen Bildern und neuen Perspektiven auf politische und gesellschaftliche Entwicklungen weltweit.

Der Donnerstag stand ganz im Zeichen des Fußballs und der geschichtlichen und politischen Dimensionen, die in diesem Sport auf ganz unterschiedliche Weise mitverhandelt werden. Das Deutsche Fußballmuseum und das Westfalenstadion waren dafür sehr gute Orte. Schließlich geht es beim Fußball um weit mehr als Tore und Ergebnisse. Auch Fragen von Identität, Zugehörigkeit, gesellschaftlichen Veränderungen und Diskriminierung spielen eine Rolle. Viele Meter haben wir wieder zurückgelegt – ganz nach dem Motto: Sport ist auch politisch und politische Bildung kann auch sportlich sein.

Am folgenden Tag ging es in die DASA-Ausstellung. Fragen rund um die Arbeitswelt standen auf der Agenda und wurden bei einer spannenden Führung durch die wirklich sehr große Ausstellung besprochen. Dabei ging es auch darum, wie sich Arbeit über die Zeit verändert hat und welche gesellschaftlichen Fragen damit verbunden sind.

Am Abend ging es dann in einen Jugendclub der AWO. Im Jugendclub „Hafen“ wurde ordentlich geschnippelt, denn wir kochten gemeinsam für 40 Personen. Nach dem Essen blieb noch Zeit für Begegnungen mit Jugendlichen aus Dortmund und viele interessante Gespräche. Eine schöne Gelegenheit, nicht nur etwas über die Stadt zu erfahren, sondern auch junge Menschen kennenzulernen, die dort leben und ihren Alltag gestalten.

Nach dem Essen im Jugendclub ging es am nächsten Tag nach Essen. 😉

Wir waren sehr beeindruckt von der Zeche Zollverein, einem UNESCO-Weltkulturerbe, und der Geschichte der Region. Bei einer Führung mit vielen Stufen wurden die Industriegeschichte und ihre Auswirkungen auf die Menschen sowie soziale Fragen sehr anschaulich vermittelt. Hier schlossen sich auch einige thematische Kreise unserer Reise: Industrie, Arbeit, Migration und gesellschaftlicher Wandel sind im Ruhrgebiet eng miteinander verbunden und prägen die Region bis heute.

Am Abend gab es dann noch ein Highlight mit dem Besuch im Theater. Das Stück „Istanbul“, das wir gesehen haben, passte sehr gut zu unserer Reise. Es erzählte die Geschichte von Gastarbeiter*innen aus einer anderen Perspektive und griff damit viele der Themen auf, mit denen wir uns in der Woche beschäftigt hatten und hatte Parallelen zu den Biografien einiger Jugendlicher. Ein gelungener Abschluss unseres inhaltlichen Programms.

Voller Eindrücke und dankbar für eine tolle Woche mit vielen politischen Fragen, neuen Perspektiven, spannenden Begegnungen, einer tollen Gruppendynamik und zur richtigen Zeit gutem Wetter ging unsere Jugendbildungsreise am nächsten Tag zu Ende.

Dabei wurde einmal mehr deutlich, dass politische Bildung an ganz unterschiedlichen Orten stattfinden kann: auf der Straße, im Museum, im Fußballstadion, im Theater, beim gemeinsamen Kochen oder den vielen Gesprächen, die quasi „nebenbei“ stattfanden. Und dass es sich lohnt, eine Stadt und ihre Geschichte aus verschiedenen Perspektiven zu entdecken.

Na dann, hoffentlich bis nächstes Jahr!

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