Zwischen Haltung und Handlung

Professioneller Umgang mit rechten und menschenfeindlichen Haltungen im pädagogischen Alltag

Rechte und menschenfeindliche Aussagen gehören für viele Fachkräfte mittlerweile zum pädagogischen Alltag. Ob im Jugendclub, in der Schule oder in anderen Einrichtungen der Kinder und Jugendarbeit, immer wieder werden Pädagog*innen mit diskriminierenden Sprüchen, Provokationen und politischen Positionen konfrontiert, die demokratische Grundwerte infrage stellen. Dabei ist nicht immer klar, wie eine angemessene Reaktion aussehen kann. Wann ist es sinnvoll, in eine Diskussion einzusteigen? Wann müssen Grenzen gesetzt werden? Und wie können wir mit Jugendlichen im Gespräch bleiben, ohne menschenfeindliche Positionen stehen zu lassen?

Die gesellschaftliche Polarisierung und die zunehmende Verbreitung rechter Deutungsmuster stellen auch die politische Bildungsarbeit vor neue Herausforderungen. Diskussionen werden emotionaler, Positionen verhärten sich und vermeintliche Sachfragen entwickeln sich schnell zu grundsätzlichen Auseinandersetzungen. Pädagogische Fachkräfte müssen dabei unterschiedliche Anforderungen miteinander verbinden. Sie sollen Beziehungen gestalten, demokratische Werte vertreten, Betroffene schützen und zugleich Bildungsprozesse ermöglichen.

In der Fortbildung beschäftigen sich die Teilnehmenden mit ihrem professionellen Selbstverständnis und der Frage, wie sich eine demokratische und menschenrechtsorientierte Haltung im pädagogischen Handeln widerspiegeln kann. Dabei werden die eigenen Erfahrungen und Unsicherheiten ebenso betrachtet wie gesellschaftliche Entwicklungen, Gruppendynamiken und mögliche Radikalisierungsprozesse.

Anhand konkreter Situationen aus der pädagogischen Praxis werden unterschiedliche Reaktionsmöglichkeiten erprobt. Die Teilnehmenden setzen sich mit rechten Sprachmustern, dem Umgang mit Provokationen und den Grenzen pädagogischer Neutralität auseinander. Dabei geht es nicht darum, für jede Situation die passende Antwort auswendig zu lernen, sondern das eigene Handlungsrepertoire zu erweitern und auch unter schwierigen Bedingungen professionell reagieren zu können.

Die Fortbildung bietet Raum, um Erfahrungen auszutauschen, die eigene Haltung zu reflektieren und gemeinsam Handlungsstrategien für den beruflichen Alltag zu entwickeln.

Übersicht

Zielgruppe Pädagogische Fachkräfte, Lehrkräfte, Schulsozialarbeiter*innen, Mitarbeitende der Kinder und Jugendarbeit sowie der politischen Bildung
Gruppengröße Nach Absprache, empfohlen 8 bis 20 Teilnehmende
Zeitumfang Ein bis zwei Seminartage nach Absprache
Kosten 20 € pro Gruppe (innerhalb der Kontingente)
Buchung 6 Wochen vor dem gewünschten Termin
Dozent*innen Fachkräfte aus der politischen Bildung und pädagogischen Praxis
Format Präsenzfortbildung, auch als Teamfortbildung möglich

Die Fortbildung möchte Fachkräfte darin unterstützen, auch in konflikthaften Situationen professionell und handlungssicher zu bleiben. Dazu gehört, das eigene pädagogische Selbstverständnis zu reflektieren und einen bewussten Umgang mit rechten, diskriminierenden und menschenfeindlichen Positionen zu entwickeln.
Die Teilnehmenden lernen, unterschiedliche Dynamiken und Hintergründe menschenfeindlicher Einstellungen besser zu verstehen und mögliche Radikalisierungsprozesse einzuordnen. Sie beschäftigen sich mit Fragen pädagogischer Neutralität, demokratischer Haltung und den Möglichkeiten, auf problematische Aussagen zu reagieren, ohne den Kontakt zu Jugendlichen vorschnell abzubrechen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung konkreter Handlungsstrategien. Ziel ist es, die eigenen Möglichkeiten und Grenzen besser einschätzen zu können, unterschiedliche Interventionsformen kennenzulernen und diese auf den beruflichen Alltag zu übertragen.

Leitfragen der Fortbildung sind:

  • Welche rechten und menschenfeindlichen Einstellungen begegnen uns im pädagogischen Alltag?

  • Wie entstehen und verfestigen sich menschenfeindliche Haltungen und welche Rolle spielen Gruppendynamiken und Emotionen dabei?

  • Was bedeutet eine demokratische und menschenrechtsorientierte Haltung für das eigene professionelle Handeln?

  • Wie können wir auf rechte Sprüche, Provokationen und diskriminierende Aussagen reagieren?

  • Wo liegen die Grenzen pädagogischer Neutralität und wann müssen wir eindeutig Position beziehen?

  • Wie können wir mit Jugendlichen im Gespräch bleiben und gleichzeitig klare Grenzen gegenüber menschenfeindlichen Positionen setzen?

  • Welche Möglichkeiten bieten Beziehungsarbeit und Distanzierungsansätze im Umgang mit rechten Orientierungen?

  • Wie können pädagogische Angebote und Teamstrukturen so gestaltet werden, dass sie demokratische Bildungsprozesse unterstützen?

Die Fortbildung verbindet fachliche Grundlagen mit interaktiven Übungen, Fallarbeit und gemeinsamen Diskussionen. Ausgangspunkt sind die Erfahrungen der Teilnehmenden und konkrete Situationen aus ihrem beruflichen Alltag.
Mit Positionierungsübungen, Zitatdiskussionen und der Analyse rechter Sprachmuster werden unterschiedliche Haltungen und Reaktionsmöglichkeiten sichtbar gemacht. In praxisnahen Übungen erproben die Teilnehmenden verschiedene Formen der Intervention und beschäftigen sich damit, wie sie auch unter emotionalem Druck handlungsfähig bleiben können.
Eine wichtige fachliche Grundlage bildet der BRAKE Ansatz zur pädagogischen Distanzierungsarbeit. Dieser betont die Bedeutung von Beziehungen, Reflexion, einer kritischen Haltung und der Begleitung längerfristiger Entwicklungsprozesse. Ergänzend werden Ansätze zur Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit, zu Radikalisierungsprozessen und zur gesellschaftlichen Polarisierung aufgegriffen.
In der gemeinsamen Fallarbeit werden schwierige Situationen aus dem pädagogischen Alltag betrachtet und konkrete Handlungsmöglichkeiten entwickelt. Dabei werden auch die Rolle des Teams, institutionelle Rahmenbedingungen und Möglichkeiten der gegenseitigen Unterstützung berücksichtigt.
Je nach zeitlichem Umfang kann die Fortbildung um die gemeinsame Weiterentwicklung pädagogischer Angebote und die Erarbeitung konkreter Maßnahmen für die eigene Einrichtung ergänzt werden.