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Analyseergebnisse

Einleitung zu den Sozialraumprofilen

Die ländlichen Regionen Mecklenburg-Vorpommerns sind seit der Wiedervereinigung einer meist negativen ökonomischen und demographischen Entwicklung ausgesetzt. Parallel zu Deindustrialisierung, Arbeitsplatzverlusten und Abwanderungsprozessen fand gerade in den Modellregionen über Jahre hinweg ein Aufbau extrem rechter Organisationsstrukturen (NPD, Kameradschaften) statt, die sich in hohen NPD-Wahlergebnissen, wie in Anklam und Friedland, vglw. hoher Akzeptanz in der Bevölkerung, völkischen Siedlungsstrukturen oder jugendkulturellen Cliquen mit neonazistischen Orientierungen niederschlagen. Seit 2013 kommt es nicht nur in diesen Regionen erneut zu einem verstärkten Agieren der NPD und neonazistischen Gruppen gegen den Zuzug von Asylsuchenden und gegen Flüchtlingsunterkünfte. Mit den hohen Zugängen von geflüchteten Menschen im Jahr 2015 werden die Ausmaße der Verankerung von GMF-Syndromen, v.a. abwertende und feindliche Einstellungen gegenüber Asylbewerber_innen, in der Bevölkerung immer offensichtlicher. Dies zeigt sich in offener rassistischer Gewalt (Anschläge, Körperverletzungen), aber auch in der Beteiligung von Bürger_innen an rassistischen Aktionen, bei öffentlichen Diskussionen, in sozialen Netzwerken oder in der lokalen Presse.

Mit den Sozialraumanalysen für Anklam, Bützow, Friedland, Güstrow und Stralsund möchten wir eine Beschreibung der gesellschaftlichen Situation und der Auseinandersetzung in den Modellprojektorten hinsichtlich Zuwanderung, demokratischer Gesellschaft und menschenfeindlicher Einstellungen und Bestrebungen vornehmen. Dabei wurden die Perspektiven von ansässigen Jugendlichen und Akteur_innen der Zivilgesellschaft untersucht. Die Analyse wurde bereits im Zeitraum April bis Juni 2015 vorgenommen.

Bezüglich des Forschungsthemas hat die Zustimmung zu rechtspopulistischen Aussagen in der Öffentlichkeit inzwischen weiter zugenommen bzw. die Spaltung der Gesellschaft bezüglich der Zuwanderung geflüchteter Menschen sich weiter verschärft. Die Ergebnisse spiegeln dafür die Gründe wider.

Eingangs werden in den Berichten sozioökonomische Rahmenbedingungen und Verhältnisse in der Region dargestellt, um darauf aufbauend Merkmale der Lebenssituation und -zufriedenheit aus Sicht der befragten Jugendlichen zu beschreiben. Auf Grundlage der Interviews erfolgt zudem eine Einschätzung zu den politischen Rahmenbedingungen, zu Beteiligungsmöglichkeiten sowie zum Zustand der Zivilgesellschaft in den Modellprojektorten. Daraufhin setzen wir uns mit der Wahrnehmung und den Auswirkungen von vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Migrationsprozessen in der Region auseinander. Hierbei thematisieren wir die gegebenen Rahmenbedingungen insbesondere für geflüchtete Menschen. Da das gesellschaftliche Klima bezüglich Zuwanderung und Asyl immer stärker von rassistischen und rechtspopulistischen Erscheinungsformen beeinflusst wird, wenden wir uns auch den Meinungsbildern in der Bevölkerung zu, indem wir sowohl die Sichtweise der interviewten Personen als auch Meinungsbilder der Jugendlichen zu Syndromen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit auswerten und dabei insbesondere Einstellungen gegenüber geflüchteten Menschen in den Fokus nehmen. Da es in allen Modellprojektorten auch organisierte Strukturen extrem rechter Organisationen gibt, bilden die Interviews eine Grundlage für eine Bewertung zu deren gesellschaftlicher Bedeutung und Einflussmöglichkeiten, aber auch inwiefern diese eine Bedrohung darstellen.

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