Mehrfachbelichtung – Rumänische Erkundungen Vernissage und Lesung
Eröffnung der Fotoausstellung von Andreas Berner „Mehrfachbelichtung – Rumänische Erkundungen“ im Rahmen des Politischen Donnerstags
Zur Vernissage werden vier Autoren aus dem gleichnamigen Buch des im Oktober 2011 erschienenen Buchs lesen. Empathisch und doch auch mit kühler Ratio dokumentiert Andreas Berner in seinen Siebenbürger Bildern schwindende Kulturen und ihre dinglichen Repräsentanten: die Letzten ihrer Art: wurmstichige Orgeln und verfallene Kirchenburgen, klapprige Pferdegespanne und verrostete Turmuhren.
Auch seine Portraits haben eine ganze eigene Qualität – sie sind weder spontan noch inszeniert. Die Menschen auf den Bildern wissen, dass sie fotografiert werden. Sie bieten sich der Kamera dar, blicken offen in die Linse, verstecken sich nicht, spielen nichts. Sie zeigen ihr Alter, ihre Defekte, ihre Wunden. Der Blick des Fotografen ist dabei nicht tastend und vorsichtig, sondern durchaus zupackend. Dass die so entstandenen Bilder weder aufgesetzt zärtlich, noch unangenehm zudringlich sind, ist ihr großer Wert.
Seine Bilder sind Teil eines Buchprojektes des Lese-Zeichen e.V., an dem 10 Autoren und Künstler beteiligt sind, die jeweils Ihre Sicht auf Rumänien zeigen. Vorausgegangen waren, dem von der Kulturstiftung des Landes Thüringen geförderten Projektes, zwei Reisen, in denen sich die Beteiligten ihr Bild von Rumänien machten und dazu einlud sich mit ihm zu beschäftigen. Titelgebend ist ein Phänomen der Fotografie. Mehrfachbelichtung - wenn sich Einzelaufnahmen zu einem Bild überlagern. Die überlagerten Motive erscheinen transparent, bzw. lassen sich örtlich und zeitlich getrennt zu einem Bild komponieren. Damit sei für dieses Projekt ein Verfahren benannt, dass weder ein Reiseführer noch einen in sich geschlossenen Text-Bildband zum Ergebnis haben soll, eher eine Text-Bild-Collage. Der Reiz des Buches liegt also in einander korrespondierenden oder einander widersprechenden Momentaufnahmen in Wort und Bild. Insofern sollen Ausstellung und Buch mit dieser Offenheit dazu verführen, sich mehr mit dem Land Rumänien zu beschäftigen.
Mehr noch: aus dem Licht dieser zum Weltkulturerbe zählenden Kulturlandschaften soll ein ungewohnter Blick auf dieses 20. Jahrhundert „der Extreme“ (Hobsbawm) geworfen werden, in dem begangenes Unrecht mit neuem Unrecht vergolten wurde.
Am Donnerstagabend werden nun drei der beteiligten Autoren ihre Texte in Rostock lesen:
Nancy Hünger(Erfurt), Friederike Kenneweg(Berlin) und Daniela Boltres( Rostock). Moderieren wird Helge Pfannenschmidt, Lektor und Verleger der Edition Azur aus Dresden.
Ein weiterer Autor, der am Buch beteiligt ist, ist Hansi von Märchenborn, ein Märchenerzähler wie er im Buch steht, er wird am Freitagvormittag in der Kita „Schneckenhaus“ rumänische Märchen erzählen.