*fußnote #4 TOTAL GLOBAL (Mai 2007)

cover fussnote 4

Die *fußnote # 4 hat es geschafft vor Beginn des Weltereignisses vor unserer Haustür dabei zu sein.

*fußnote 4 "TOTAL GLOBAL" (pdf 10 MB)

Es ist doch echt erstaunlich: Seit anderthalb Jahren organisiert sich die globale Bewegung, um für ein paar Tage im Juni den Regierungschefs der G8 einen gebührenden Empfang zu verschaffen.

Zwar geht nun vielen auf den letzten Metern die Puste aus, aber die Ausmaße des unbezahlten Engagements sind gigantisch.

Die internationale Demonstration am 2. Juni zieht beispielsweise nach Schätzungen ca. 100.000 Menschen nach Rostock. Megalomanische Spekulationen brachten es auf bis zu 300.000 Menschen.

Man stelle sich mal die Schlange der parkenden Reisebusse vor: reist die Hälfte der Demoteilnehmer_innen mit Bussen an, wobei pro Bus 50 Menschen reinpassen (d.h. wir bräuchten schon mal 1.000 Busse) und ein solcher Bus 15 m lang ist, kommt da schon mal locker ne Parkschlange von 15 km raus.

Da kann es schon passieren, dass der Südring zum Busparkplatz umfunktioniert wird. Berücksichtigen wir noch die „auswärtigen“ Autos, kann jedem/r Rostocker/in nur geraten werden, ihr Auto stehen zu lassen.


Oder vielleicht doch nicht? Sind die geliebten Autos nicht einem erhöhten Gefahrenpotential ausgesetzt und müssten in Sicherheit verbracht werden? Wie schnell wird aus dem geliebten Golf III Diesel die brennende Flanke einer panzerstoppenden Barrikade? Vielleicht kommt tatsächlich das skurrile Bild zustande, dass die Einwohner_innen ihre geliebte Stadt verlassen, während sie von protestierenden Massen eingenommen wird.
Andere wittern das Geschäft des Jahres mit der gegen den globalen Kommerz protestierenden Zielgruppe. So werden schon jetzt viele Karten für das musikalische Stelldichein der „Stimmen gegen Armut“ von Grönemeyer & Co., die 70.000mal zu „Was-kost-die-Welt: Zweifuffig“ über die Theke gingen, mit Wucheraufschlag bei ebay verhökert. Auch das ist ja Globalisierung. Wie dem auch sei, fest steht: Rostock wird aus allen Nähten platzen! Hat sich Rostock vergeblich um Olympia bemüht, so hat die Hansestadt doch ein die IGA überflügelndes Weltereignis bekommen. Doch die Freude ist bisher noch verhalten. Viele denken eher mit Sorge an ihre Stadt und ich wurde letztens sogar gefragt „Ob es denn Tote geben würde?“


Diese Ausgabe versucht die vielfältigen lokalen Stimmungen aufzufangen. Auffangen um: diffuse Ängste abbauen zu wollen, vielfältige und kontroverse Positionen aufzuzeigen, Grenzen auszuloten und auch in der Absicht so etwas wie Vertrauen und Verständnis zu schaffen. Es haben sich viele Menschen an der Ausgabe beteiligt. Schon deshalb hat die Fußnote einen sehr vielschichtigen Tenor.
Und genau darum sei hier auch schon darauf hingewiesen, dass die Artikel und ihre jeweiligen Autor_innen für sich stehen. Die Inhalte und Aussagen der Artikel spiegeln nicht zwangsläufig die Meinung des redaktionellen Gremiums der Fußnote wider. In ihnen ist auch kein einheitlicher Grundton zu finden, an welchem ausmachbar wäre, für was die Fußnote an sich steht. Sie ist ein offenes Beteiligungsprojekt, welches die gesamte Vielfalt der Mitmachenden repräsentiert.


Wir haben über viele Standpunkte ausgiebig diskutiert und letztlich dabei „nur“ herausgefunden, dass für uns Protest eine zutiefst demokratische Ausdrucksform ist, die als Freiheitsrecht in den Grundrechten verbrieft und als solches geschützt und verteidigt werden muss. Wir stellten uns die Frage, ob der G8-Gipfel im Gegensatz dazu überhaupt eine demokratische Legitimation besitzt. Unsere einhellige Antwort war Nein! Wir hoffen, dass die Proteste viel bewegen: uns, die G8, überkommene globale und lokale Verhältnisse, aber den Golf III beispielsweise lieber nicht.


Die Redaktion

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