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Schülerrat fordert Projekte gegen Rechtsextremismus - Ehemaliger Neonazi-Aktivist Matthias Adrian besucht Regionale Schule in Gnoien
Der Veranstaltung voraus gingen neben Bildungsprojekten eine umfangreiche sozialwissenschaftliche des Modellprojektes „Aktiv gegen Rechtsextremismus und Rassismus - Demokratiestärkende Bildungsarbeit im ländlichen Raum“ von Soziale Bildung e.V. Im Jahr 2008 wurden dazu neben Lehrer_innen und Eltern alle Schüler_innen der damaligen 8. und 9. Klassen bezüglich ihrer jugendkulturellen Verortung, ihres Freizeitverhaltens, den Mitbestimmungsmöglichkeiten an der Schule, rechten Einstellungen und Engagement dagegen befragt. Auf Basis der gewonnenen Daten entschieden wir uns im Modellprojekt, mit den Schüler_innen der Gnoiener Schule längerfristig zusammenzuarbeiten, um u.a. den vorhandenen Engagementwillen der Schüler_innen in der Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus zu fördern.
„Wir möchten mehr Aufklärung an der Schule!“ so der Wunsch der Schüler_innen, der ganz deutlich die Gespräche über Veränderungs- und Mitwirkungsmöglichkeiten an der Schule dominierte. Und so packte der Schülerrat, nachdem beschlossen wurde, einen Aussteiger aus der rechten Szene einzuladen, auch kräftig bei der Organisation der Veranstaltung mit an. Am 7.05.2009 war es dann soweit. Mehr als 60 Schüler_innen der 8. bis 10. Klassen folgten der Einladung des Schülerrat es in die Aula. Matthias Adrian, der von 1997-2000 aktives Mitglied der Jungen Nationaldemokraten (JN), der Jugendorganisation der NPD, war, referierte authentisch und kurzweilig über seinen Ein- und Ausstieg in die rechte Szene und deckte eindrücklich Absurditäten der rechten Ideologie auf. Besonders interessiert hörten die Jugendlichen zu, als Adrian anhand von rechtsextremer Musik und Kleidung den Profitgedanken in der Neonazibewegung aufzeigte. In den Gesichtern war Erstaunen zu bemerken, als Adrian mit den Schüler_innen nachrechnete, dass bspw. mit dem Verkauf eines T-Shirts einer rechten Kleidermarke über 200% Gewinn gemacht werden. Auch die Anekdoten über rechte Musikmacher oder NPD-Politiker zeigten Wirkung im Publikum, wurde doch damit deren vermeintlich geschlossener Kampf in Frage gestellt. An Adrians Biographie gibt es eine Besonderheit, die wohl besonders bei den anwesenden Lehrer_innen zum Nachdenken anregte - sein augenscheinlich untypischer Eintritt in die rechte Szene. Nicht der rechte Freundeskreis, ein zerrüttetes Elternhaus oder mangelnder Intellekt bestärkten nationalistische Denkweisen und den frühen Einstieg in die Naziszene, sondern die in seinem Umfeld gescheute tiefgründige Auseinandersetzung, Bagatellisierung und fehlende Aufklärungsarbeit, besonders im schulischen Kontext, bestätigten Adrian im Glauben, für die richtige Seite zu agieren. So ist es auch nicht überraschend, dass heute Adrian als Mitarbeiter der Aussteigerinitiative Exit Berlin mit Vorträgen über seine Vergangenheit vor allem das Ziel verfolgt, junge Menschen über die rechte Ideologie aufzuklären, sie zum Nachdenken zu bewegen. Er betont, wie wichtig es sei, immer wieder die Diskussion mit rechtsorientierten Jugendlichen zu suchen und ihnen die Widersprüche der rechtsetxtremen Denkmuster aufzuzeigen. Bei den Gnoiener Jugendlichen zeigte Adrians Vortrag auf alle Fälle Wirkung. Auch wenn kaum jemand innerhalb so kurzer Zeit zur Abkehr von rechtsextrem geprägten Denkmustern bewegt werden kann, war diese Veranstaltung ein Auftakt, der zumindest zum Nachdenken anregen. Das Modellprojekt wird bis Sommer 2010 in der Schule aktiv sein, um Lehrer_innen und Schüler_innen weiter im aktiven Eintreten für eine demokratische Gesellschaft zu stärken.
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